Viele Ukrainer*innen tragen schwere Erfahrungen mit sich – und fragen sich, wo sie jemanden finden, der zuhört, versteht und ihre Sprache spricht oder mit Dolmetscher arbeitet.
1. Du darfst Hilfe holen – auf Ukrainisch oder mit Dolmetscher
In Deutschland gibt es spezielle Angebote, die psychologische Hilfe für Geflüchtete aus der Ukraine mit Sprachmittlung oder direkt in Ukrainisch/Russisch anbieten. Ziel ist nicht, dich „krank“ zu machen, sondern dir zu helfen, besser zu schlafen, weniger Angst zu haben, wieder Alltag zu schaffen.
Typische Orte sind:
- Psychologische Hochschulen und Kliniken mit Ukraine‑Projekten
- Psychosoziale Zentren fĂĽr GeflĂĽchtete (PSZ)
- Diakonie/Caritas/Refugio‑Stellen in verschiedenen Regionen
2. Konkrete Angebote mit Dolmetscher oder ukrainischer Sprache
Beispiele, die zeigen, was es gibt:
- Psychologische Hilfe Ukraine (DGPS / PHB) – kostenlose psychologische Beratung für Kinder und Erwachsene; Projekt „steps“ bietet dolmetschergestützte Beratung, um Resilienz zu stärken.
Info: https://www.dgps.de/schwerpunkte/psychologische-hilfe-ukraine ​ - Psychologische Hochschule Berlin / BAP – dolmetschergestützte Hilfe durch Psychotherapeutinnen in Ausbildung, auch für Ukrainerinnen.​
- Refugio‑Zentren (z. B. München, Villingen‑Schwenningen) – Psychotherapie und Sozialberatung für traumatisierte Geflüchtete, explizit mit Sprachmittler*innen.
Beispiele:
– Refugio München: https://www.refugio-muenchen.de/ukraine/angebote ​
– Refugio VS: https://www.refugio-vs.de/dolmetschen.html ​
In vielen Bundesländern gibt es über das Netzwerk der psychosozialen Zentren ähnliche Angebote.​
3. Hotlines & Online-Beratung auf Ukrainisch/Russisch
Wenn du erst einmal anonym und ohne Termin sprechen möchtest:
- Helpline Ukraine – Nummer gegen Kummer
Telefonberatung für Kinder, Jugendliche, Eltern & Angehörige auf Ukrainisch und Russisch, Mo–Fr 14–17 Uhr, 0800 500 225 0, kostenlos in ganz Deutschland.
Info: https://www.nummergegenkummer.de/helpline-ukraine ​ - BDP‑Hotline für Helfende und Geflüchtete
Kostenlose psychologische Telefonberatung, 16–20 Uhr, 0800 777 22 44.​ - Russischsprachige Beratungstelefone (z. B. DOWERIA)
Beratung zu psychischen Belastungen und Migration, u. a. in Berlin.
Diese Angebote sind gut, wenn du nicht sicher bist, ob du „wirklich Therapie brauchst“, aber merkst, dass es dir zu viel wird.
4. Wie läuft das mit Dolmetscher ab?
Viele spezialisierte Stellen arbeiten standardmäßig mit Sprachmittler*innen:
- Die Einrichtungen organisieren Dolmetscher selbst; du musst nicht privat jemanden bezahlen.
- Dolmetscher*innen sind zur Verschwiegenheit verpflichtet und haben klare Regeln (keine privaten Kontakte, kein Austausch von Nummern).​
- Gespräche können so in deiner Sprache geführt werden, während die Therapeutin/der Therapeut Deutsch spricht.
Bei „normalen“ Praxen werden Dolmetscherkosten nicht automatisch von der Krankenkasse übernommen; deshalb sind psychosoziale Zentren und spezialisierte Projekte oft die beste erste Adresse.
5. WofĂĽr ist dieser Thread da?
Hier kannst du:
- allgemeine Fragen zu psychologischer Hilfe, Dolmetscher und ersten Schritten stellen,
- Erfahrungen teilen: Wo hast du UnterstĂĽtzung gefunden? Wie war es, das erste Mal ĂĽber deine Erlebnisse zu sprechen?
- Links posten zu Angeboten in deiner Stadt/Region (Psychosoziale Zentren, kirchliche Beratungen, Hotlines).
Bitte schreib keine sehr persönlichen Details öffentlich – es reicht, wenn du allgemein beschreibst, was dir geholfen hat.
Ermutigung
Viele Studien zeigen: Traumatische Erfahrungen werden leichter, wenn man sie nicht alleine trägt, sondern Unterstützung bekommt. Wenn du darüber nachdenkst, Hilfe zu suchen, ist das kein Zeichen von Schwäche – es ist ein mutiger Schritt, dir und deiner Familie ein stabileres Leben zu ermöglichen.
